Bayreuth Baroque

Repertoiretaugliche Ausgrabung

Max Emanuel Cencics Inszenierung von Porporas «Ifigenia in Aulide» ist zwar abgespielt, aber noch im Online-Stream zu erleben. Eine Empfehlung nach der Dernière

Jens Voskamp • 16. September 2024

Bildgewaltig: Giorgina Germanou entwarf das Bühnenbild und die Kostüme © Clemens Manser Photography

Seit nunmehr fünf Jahren vertauscht man in Bayreuth nach der Wagnerei auf dem Grünen Hügel den Tristan-Akkord mit der Da-capo-Arie: Die diesjährige Ausgabe von Bayreuth Baroque darf als eine der bislang künstlerisch hochwertigsten Ausgaben gewertet werden. Das hängt nicht zuletzt mit der Qualität der diesjährigen Ausgrabung zusammen: «Ifigenia in Aulide» von Nicolo Antonio Porpora (1686-1768). Das dreiaktige Melodramma ist seit seiner Londoner Aufführung von 1735 den Weg von rund 20.000 Seria-Barockopern gegangen: in die Vergessenheit der Archive. Doch im Gegensatz zu manch anderer Ausgrabung hat Max Emanuel Cencic hier ein wirklich repertoiretaugliches Relikt zu Tage befördert.

Man sollte Gluck und Goethe beiseitelassen und sich ein bisschen näher an Homer heranrobben, wie es C…