Bayreuther Festspiele

Als die Bilder denken lernten

Der zweite Abend des KI-«Rings» kommt beim Publikum gut an. Trotzdem werfen die live generierten Projektionen mehr Fragen auf als sie dazu dienen, die Handlung sinnfällig zu bebildern

Sabine Busch-Frank • 06. August 2026

Auf der Bühne ist die KI derzeit noch ein eingeschränktes Vergnügen, aber für die Werbewirtschaft ist sie ein Segen © Sabine Busch-Frank

Seltsamerweise ist sie plötzlich überall, diese nichtmenschliche Intelligenz mit ihrer Gestaltungswut. Der Bratwurststand wie die Spritz-Verkaufsbude in Bayreuth werben mit digital verfremdeten Richard Wagner-Porträts, als Pizzabote, Barbier und Friseur ist er in seiner Heimatstadt zu entdecken, gar als Markenbotschafter fränkischer Lebensmittel. Direkt am Puls der Zeit ist also der KI-«Ring» angesiedelt, und nachdem der erste Schreck über die karge Konzeption am Vorabend verdaut ist, hebt im Festspielhaus dann auch das Vorspiel zu «Die Walküre» in bekannter Dramatik an. Da stürmen Hundings Mannen orchestral durch den Wald, das Wetter tobt, die Hörner schall…