Oper Frankfurt

Kollektive Ängste mit Lynchjustiz

Beklemmend banal: Manuel Schmitt setzt eine Studie über Aggression und blanke Gewalt. Bianca Tognocchi, Cláudia Ribas und Theo Lebow gestalten Rossinis Durchbruchoper «Tancredi» hochklassig

Roland H. Dippel • 08. Juni 2026

Große Liebe, großes Misstrauen: Cláudia Ribas (Tancredi) und Bianca Tognocchi (Amenaide) © Monika Rittershaus

Ein widersprüchlicher Abend. Erste Publikumsreaktion war bewunderndes Raunen, als sich ein Statist das T-Shirt vom Oberkörper streift und mit seinem Kompagnon exakt zum Rhythmus der Ouvertüre einen ansehnlichen Boxkampf liefert, bis zum Knockdown präzise auf Schlussakkord. Überraschend war der nur tröpfelnde Szenenapplaus für die exzellenten Gesangsleistungen, dafür wurde das Ensemble nach der Vorstellung fulminant gefeiert, das szenische Team indes weniger. Offensichtlich brachte das Frankfurter Premierenpublikum Rossinis «Tancredi», mit dem der Komponist mit der Uraufführung 1813 ganz neue Maßstäbe für das ernste Musiktheater entwickelte, nicht auf einen Reim zur Bühne.…