Kalchschmids Albenpanorama
04/2026
Händel mit Countertenor Jakub Józef Orliński und als Oratorium, dazu ein schillerndes Liederalbum von Bassbariton Damien Pass
Klaus Kalchschmid • 20. April 2026
Nach einer eigenwilligen Crossover-CD, in der barocke Arien auf zeitgenössischen Sound trafen, widmen sich der junge Countertenor Jakub Józef Orliński und Michaɫ Biel in ihrem neuesten Album vor allem Henri Purcell und Georg Friedrich Händel, darunter von Purcell das berühmte „Music for while“, die durch Klaus Nomi berühmt gewordene Arie „The Cold Song“ aus «King Arthur», das „Strike the viol“ und „If the music be the food for love“ in den beiden Versionen. Virtuoses wie „Your awful voice I hear and I obey“ mischt sich mit Klagendem wie „Voi che udite il mio lamento“, immmer geadelt von der betörend warmen und sanften Stimme Orlinskis, die über viele Facetten verfügt, am schönsten in den langsamen leisen Passagen klingt und wenn der Pole sie fast gehaucht einsetzt. So auch bei Händel. Hier gibt es neben den betörend schön gesungenen Schlagern wie „Ombra mai fu“ aus dem «Serse» Arien aus «Rinaldo», «Semele», «Rodelinda» und «Agrippina», darunter zwischen zwei getragenen Liebesarien das wilde „Furibondo spira il vento – Wütend bläst der Wind“ aus «Partenope». Zwischen beiden Blöcken erklingt das bezaubernde „Non t‘amo per il ciel“ von Johann Joseph Fux mit seinen großen melodischen Bögen, das zu Händel überleitet. Und am Ende gibt es noch die Klavierfassung von Johann Sebastian Bachs „Jesu meine Freude“ mit Michaɫ Biel, der auch sonst ein zuverlässiger Begleiter ist, der den Klang des modernen Konzertflügels differenziert einsetzt. (Erato)
Georg Friedrich Händels «Alexander‘s Feast» (Das Alexandersfest oder die Macht der Musik) war seinerzeit ein großer Erfolg, den der Komponist zwischen der Uraufführung 1736 und 1755 in 25 Aufführungen wiederholen konnte. Kaum abendfüllend mit 80 Minuten Dauer, wurden dafür jeweils andere Stücke dazugenommen, 1739 hat Händel mit seiner «Cäcilienode» gar einen dritten Teil hinzukomponiert. Heute ist diese Kürze kein Nachteil mehr, lässt sich das Ganze doch etwa auf eine CD brennen. Händel beginnt mit Alexander auf seinem Thron, neben sich die schöne Hetäre Thaïs. Danach preist der Sänger Timotheus die göttliche Abstammung Alexanders und lobt den Weingott Bacchus. Es folgt der Preis der Liebe und die Verachtung des Krieges. Den eingeschlafenen Alexander wecken martialische Töne, bevor am Ende die Heilige Caecilia an ihrer Orgel erscheint, verkörpert durch Flöten und Bratschen. Eine große Quadrupelfuge des Chores beschließt das Werk hymnisch. Im Livemitschnitt von der Styriarte 2024 sind neben dem hervorragenden Arnold Schoenberg Chor und dem Barockorchester Zefiro unter Alfredo Bernardini exzellente Solisten zu erleben, so die Sopranistin Miriam Kutrowatz, der lyrische Charaktertenor Daniel Johannsen und der flexible Bassist Damien Gastl. Egal ob Rezitativ, Accompagnato oder Arie: Stets bleiben keine Wünsche offen und die musikalische Spannung wird durch den Livemitschnitt noch erhöht. (Arcana)

„Into the Woods“ nach dem gleichnamigen Musical von Stephen Sondheim nennt sich das Album, auf der Damien Pass nicht nur das lebendige „Any moment“ aus «Into the Woods» gleich zu Beginn singt, sondern es auch beschließt mit Stephen Sondheim (dem launig spritzigen „Everybody say‘s don`t“. Dazwischen erklingen Balladen von Schubert („Erlkönig“, „Der Doppelgänger“, „Wanderers Nachtlied“ „An Schwager Kronos“), Liszt und Carl Loewe („Edward“) im Zentrum, umrahmt von Franzosen wie Duparc, Saint-Saëns und Erik Satie, jedes Lied eine Perle für sich. Besonders balladesk und dramatisch Franz Liszts ungemein spannendes Lied „Gastibela“, in der der Singende am Ende wahnsinnig wird. Damien Pass ist danach im „Erlkönig“ ein souverän mit den verschiedensten Stimmen singendes Lyrisches Ich und gibt den langsamen Liedern eine besondere Aura. Dagegen gesetzt ist der Sprechgesang im englischen „Chanson de Black Mail und das Chanson-Französisch im für Edith Piafs komponierten „L‘homme à la moto“ sowie Stephen Sondheim‘s sanftes „No one is alone“. Vier eingängige Traditionals aus Australien, die dort höchst populär sind, leiten über zu den abschließenden Trois Mélodies von Eric Satie. Der Bassbariton kann sich den verschieden Stilen wie ein Chamäleon anpassen und dass er und sein exzellenter Pianist Alphonse Cemin hinter jedem einzelnen Lied stehen und mit ihm eine eigene Geschichte verbinden, hört man in jedem Akkord und jeder Phrase. Ein Liederalbum der besonderen Klasse und vielleicht auch dank des Livemitschnitts so unmittelbar und überzeugend. Neben den originalen Texten sind englische Übersetzungen im Booklet abgedruckt (B Records/Outhere).